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Publikationen & Audio

Edition „Liuto forte & Guitar”

Die Editionsreihe „Liuto forte & Guitar“ stellt Spielern unserer Instrumente sorgfältig redigiertes aufführungspraktisches Material aus vier Jahrhunderten zur Verfügung. Sie ist besonders geeignet, auch Gitarristen mit Lautenwerken des 16. bis 18. Jahrhunderts vertraut zu machen, da sie Übertragungen dieser Musik in die ihnen geläufige Notation im oktavierenden Violinschlüssel enthält. Die originale Vorlage (Tabulatur) und deren Übertragung in Notenschrift erscheinen dabei in einem Doppelsystem.
Lautenisten dürften die der Tabulatur beigefügte Sichtbarmachung der musikalischen Strukturen in Form eines Notentextes begrüßen. Gitarristen, die sich mit der originalen Greifweise des Stückes vertraut machen wollen, können dank der beigefügten Tabulatur leicht einen Eindruck der vom Komponisten vorgesehenen praktischen Umsetzung des Notentextes erhalten.

Lautenstücke der Renaissance, die für Instrumente in g-Stimmung (Altlaute) oder in a (Diskantlaute) bestimmt sind, werden – der leichteren Lesbarkeit halber – durchweg in die der alten Tenorlaute entsprechende e-Stimmung der Gitarre übertragen. Gitarristen und Spielern des Liuto forte in e, die das Stück aus grifftechnischen oder klanglichen Gründen in einer höheren Stimmlage ausführen wollen, wird die Benutzung eines Kapodasters empfohlen.1

Von besonderem Reiz für die Spieler von Liuti forti in e-Stimmung sind Übertragungen von Werken, die ursprünglich für die d-moll-Laute komponiert wurden (z.B. Sylvius Leopold Weiß). Im Gegensatz zu den üblichen Gitarrentranskriptionen dieser Werke in höhere Tonarten, die das Klangbild des Originals mitunter bis zur Unkenntlichkeit entstellen, gehen wir hier den umgekehrten Weg und transponieren diese Stücke je nach Bedarf um einen Halb- bis Ganzton tiefer. Dieser Weg setzt selbstverständlich das Vorhandensein von mehr als nur 6 Saiten voraus, führt aber zu erstaunlich Resultaten. Allein mit drei zusätzlichen Saiten im Baß ist es in der e-Stimmung möglich, dem Klang des Originals verblüffend nahe zu kommen. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß der Bearbeiter mit diesem Klang und dem Spiel der d-moll-Laute vertraut ist und folglich beurteilen kann, welche Stücke für eine idiomatische Übertragung von der einen in die andere Stimmung überhaupt in Frage kommen. Aus der Mehrzahl der am Markt befindlichen Bearbeitungen von Musik für d-moll-Laute für die 6-saitige Gitarre muß leider geschlossen werden, daß es vielen Bearbeitern an dieser Erfahrung mangelt.

Unser ganz besonderes Augenmerk gilt neuen Kompositionen für den Liuto forte. Es ist von absoluter Wichtigkeit, daß dieses Instrument – wie die Gitarre im 20. Jahrhundert – originäre Kompositionen erhält. Nach den bisherigen Erfahrungen scheint es wesentlich einfacher, Komponisten der Gegenwart zum Schreiben für die Neue Laute zu bewegen, als es mit der alten Laute der Fall gewesen ist.

1 Die Kapodaster für Liuto forte sind modifizierte Gitarrenkapodaster der Firma Shubb und dem Griffbrett des jeweiligen Instrumententyps angepaßt. Interessenten wenden sich an: Hermann.Graefe@t-online.de.